Die Tradition des Bäckerhandwerks in Weixdorf reicht bis in die Gründerzeit des Ortes. Bereits 1410 wurde das Richtergut, und damit die Bäckerei mit dem Backrecht ausgezeichnet.
Gesicherte Erkenntnisse zu unserer Bäckerei über die Inhaber der Bäckerei liegen uns allerdings erst ab dem Jahr 1896 vor. Damals errichtete Wilhelm Heidrich auf dem Grundstück ein Wohn und Geschäftshaus mit Nebengebäude. Im Haupthaus wurde die Bäckerei untergebracht, sowie ein Verkaufsraum für "Back-und Kolonialwaren". 1911 übernahm August Blümel das Anwesen, und baute an das Hauptgebäude den Laden an. 1932 ubernahm Franz Borrmann die Bäckerei, die er dann 1937 an Paul Grimmer übergab. Paul Grimmer führte dann die Bäckerei durch die schweren Kriegs- und Nachkriegsjahre.
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Die Nachkriegsjahre:
nach Informationen von Manfred Neises, Weixdorf – Fuchsberg;
Bis zu seiner Einberufung zur Wehrmacht, vermutlich um 1938 oder 1939 leitete Paul Grimmer die Bäckerei. Danach übernahm seine Frau das Zepter und leitete die Bäckerei während der schweren Kriegs- und Nachkriegsjahre bis Ihr Mann 1947 aus der Gefangenschaft wieder nach Hause kam. Im Hauptgebäude (Wohnhaus) befanden sich im Keller zwei Luftschutzräume, die bei Alarm aufgesucht wurden. August Blmel aber suchte lieber eine Erdgrube auf, die er sich im Garten selber angelegt hatte. Auch nahm er da-bei stets alle Wertsachen mit. Das Mehllager der Bäckerei befand sich auf dem Boden unter dem Dach. Dadurch waren auch die anderen Zutaten, die in Kartons und Säcken aufbewahrt wurden, an diesem ungewöhnlichen Aufbewahrungsort vor Dieb-stahl einigermaßen sicher. Zu bemerken ist sicherlich dazu, daß die Russen, selbst wenn sie Mehlsäcke gefunden hätten, diese vermutlich nicht mitge-nommen hätten, die waren eher auf fertige Ware fokussiert. Erst nach dem Auszug von Frau Rheingans mit ihrem Sohn im wurde das Mehllager in den hinteren Raum des Nebengebäudes eingerichtet. Andere Behältnisse, wie zum Beispiel Kannen und Eimer für Marmeladen und Sirup befanden sich in einem Kellerraum unter der Küche, der im Krieg als Luftschutzraum diente. Bei Hochwasser des Lausenbaches drang regelmäßig Wasser in den Kohlenkeller ein. Der Grund war ein defekter Abwasser– Absperrschieber, der erst 1948 repariert wurde. Auch mußte bei Hochwasser die Waren, die in Eimern, Kartons und Stiegen im Keller gelagert waren, jedesmal in das Erdgeschoß verbracht werden. Der Kohlenkeller befand sich unter der Backstube. Ebenfalls im Wohnhaus war eine Hauswasseranlage (mit einer Kolbenpumpe) installiert, die das Wasser aus dem im Hof befindlichen Brunnen zog und den unter dem Dach befindlichen Wasserbehälter füllte. Mit dieser Anlage wurde die Bäckerei und die im Wohnhaus befindliche Küche mit Wasser versorgt. Der zur Wasseranlage befindliche Brunnen war mit einer Schwengelpumpe ausgestattet. Diese, von Hand zu bedienende Pumpe, kam zum Einsatz, wenn die Hauswasseranlage nicht funktionierte. Das war zum Beispiel bei Stromabschaltungen der Fall, die nach dem Krieg öfter vorkamen als einem lieb war. Wurde der Strom abgeschaltet oder war die Pumpe defekt, so wurde der Wasserbehälter mittels Eimern befüllt. Auerdem wurde die Schwengelpumpe für die Mieter benötigt, damit sie sich mit dem nötigen Wasser versorgen konnten. Das Hinterhaus der damaligen Bäckerei Paul Grimmer bestand aus zwei Zimmern im Erdgeschoß und zwei Zimmern im Obergeschoß. Manfred Neises wohnte dort als Pflegekind von 1939 bis 1948 bei Familie Riemer. Ein Zimmer (das hintere) davon bewohnte Frau Rheingans mit Ihrem Sohn, die noch im OG des Hauptgebäudes ein Zimmer als Schlafraum nutzten. Insgesamt wohnten in diesem Hintergebäude 7 Personen. Die Toiletten befanden sich in einem Nebengebude zum Garten hin, waren also praktisch nur „ber dem Hof“ zu erreichen.Neben den Toiletten befand sich eine Waschküche, die von allen Bewohnern auch als Bad genutzt wurde. Das zum Baden benötigte Wasser wurde im Waschhauskessel erwärmt und in eine Zinkwanne geschüttet. An der Süd-Ost-Ecke des Wohnhauses stand der Wagenschuppen der Familie Riemer, in der sich ein PKW Typ „Adler“ befand. Ab 8.Mai 1945 gingen die Hausbewohner Frau Grimmer, Frau Reingans mit Sohn und Frau Riemer mit zwei Töchtern und ihrem Sohn für eine Woche zur Familie Diebel (gegenüber dem Berggut). Dort waren sie unter dem Dach und in einem Nebengebäude untergebracht. Selbstverständlich hatten sie auch ihre gesamten Wertsachen mitgenommen. August Blümel mit seiner Frau Fanny und Bernhardt Pradelt blieben in der Bäckerei. In der Bäckerei selbst befand sich zu dieser Zeit nicht „Verteilungswürdiges“. Die Sicherung durch einen belgischen Fremdarbeiter, der in Dresden bei einer Behörde tätig war, bestand lediglich darin Zerstörungen und wilde Einquartierungen durch die Russen oder durch vorbeiziehende Polenkolonnen zu verhindern. Der Belgier selbst wohnte im Berggut. 1945 / 46 übernahm der Bäcker Richard Neumann (Alte Dresdner Str. 54 das Backen von Brot und Semmeln für die Bevölkerung. Da er für die Besatzer produzieren mußte, bekam er zusätzliche Arbeitskräfte zugewiesen. Seine Auslieferungen tätigte er mit Hilfe eines „Tempo – Dreirades“, eines zur damaligen Zeit gebräuchlichen (wer eines hatte) Lieferwagen. Im Herbst 1946 waren bei Frau Grimmer beschäftigt:Herr Ehrlich aus der Lausenbach – Mühle und Erhard Zimmermann, der später eine eigene Bäckerei betrieb. Alle Waren, auch die vom Bäcker hergestellten Nudeln, gab es nur auf Lebensmittelkarten und zwar auf die Abschnitte für Mehl und Zucker. Die Abschnitte wurden am Ende des Monats sortiert, auf Bögen geklebt und gegenüber der Ausgabestelle der Gemeinde abgerechnet. Die „Behörden“ kontrollierten auch die Vorräte an Kohlen, Mehl, diverser Zutaten und auch das Bargeld.
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